Stellungnahme des Naturschutzbundes (NABU)

Redaktion

Während das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur – und Verbraucherschutz noch für eine „Allianz für die Fläche“ wirbt, sieht die Verwaltung der Stadt Zülpich dies ganz anders.

260000 m² Fläche werden versiegelt

Mit dem Bauprojekt „Seeterrassen“ sollen auf einen Schlag 260000 m² Fläche versiegelt werden, für 1500 neue Mitbürger, die Raum für Einfamilienhäuser und Firmen, die den Seeblick für ihr Business suchen.

Dabei weiß man seit langem, dass es mit der Bauwut in dieser Form nicht mehr weitergehen kann, wenn wir die Klimaziele erreichen und die Probleme wie regionale Lebensmittel- und Energieerzeugung lösen wollen. Täglich gehen in NRW rund 10 Hektar Natur- und Freifläche verloren, mit immensen negativen Auswirkungen für Biotop-, Natur- und Landschaftsschutz.

Minimierung der landwirtschaftlichen Produktion

Derartige Großprojekte tragen nicht nur zum Klimawandel bei, sondern minimieren auch landwirtschaftliche Produktionsmöglichkeiten.

Natur- und Artenschutzmaßnahmen der DBU

Gerade die Zülpicher Börde ist als Hotspot der Artenvielfalt bekannt, DBU (Deutsche Bundesstiftung Umwelt) und die Landwirtschaftskammer fördern exakt in dieser Region Natur- und Artenschutzmaßnahmen zum Erhalt von Grauammer, Kiebitz und Rebhuhn. Darüber hinaus besteht eine besondere Verantwortung für den Erhalt des Rotmilans in Deutschland, der in diesem Bericht wichtige Nahrungsflächen aufsucht.

Auch das hohe Vorkommen der Feldlerche muss explizit in diesem Gebiet hervorgehoben werden.

Der Zülpicher See

Der Zülpicher See ist seit vielen Jahren ein wichtiges Habitat für Wasservögel. Die Tatsache, dass der Wassersportsee trotz der vielfältigen Sport- und Freizeitaktivitäten von vielen Wasservögel genutzt wird, zeigt wie groß die Not für die vorhandenen Arten ist. Da mag die Verwaltung der Stadt Zülpich noch so darauf hinweisen, dass Sie einen Naturschutz- und einen Wassersportsee hat, zumal der Naturschutzsee nicht von Freizeitaktivitäten freigehalten wird.

Es ist inakzeptabel, dass mit einer Bebauung wie bei den Seeterrassen geplant, eine weitere Einschränkung der Habitat am See, durch freizeitliche Nutzung und als Hundeauslauf stattfindet.

Erhaltung des Feldhamsters

Zudem bleibt die Frage nach dem Feldhamster im Raum stehen. So besteht die Verpflichtung, den Hamster an der Stelle zu erhalten und wirksame Maßnahmen zu einer positiven Entwicklung an der Stelle fortzusetzen, an der das letzte Vorkommen festgestellt wurde. Die Verpflichtung besteht auch über die Entnahme hinaus.

Der NABU hält die erneute Prüfung eventueller Vorkommen und die Wiederansiedlung in Zülpich für unabdingbar, weil sich schon alle Umsiedlungs- und Erhaltungsmaßnahmen im Rahmen des Baugebietes „Seegärten 1“ unwirksam waren.

Der NABU Kreis Euskirchen stellt deshalt erneut die Frage:

Gibt es noch Vorkommen zwischen Zülpicher See, Nemmenich und der Stadt Zülpich, oder werden die Tiere nach erfolgreicher Nachzucht wieder in ihr altes Habitat ausgewildert?

In Zeiten des Klimawandels muss der Flächenverbrauch weiter, über die bisherigen Planungen hinaus, minimiert werden, landwirtschaftlichhochwertige Flächen für die Zukunft und Frischluftschneisen erhalten, unversiegelte Böden als Wasserspeicher, zur Kühlung des Bodens und für den Hochwasserschutz geschützt werden.

Claudia Rapp-Lange, NABU

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