Ökologischer Schaden

Ich möchte den ökologischen Schaden erklären der mit dem Vorhaben der weißen Stadt auf uns zukommen wird. Dazu muß ich mal ein bißchen in die Geschichte der Zülpicher Börde zurückgreifen.

Die Geschichte der Zülpicher Börde

Die Zülpicher Börde war noch zur Römerzeit dicht von Wald bewachsen. Seit unserer Zeitrechnung nahm die Waldfläche in den letzten zwei Jahrtausenden ab. Durch Ackerbau und Viehzucht entstand eine Region, die in Fachkreisen Offenland oder auch Halboffenland genannt wird. Viel offenes Land, einzelne Bauminseln, kleinere Waldflächen , kleinere Heckenstrukturen, dafür viel offene baumlose Flächen wie Weiden, Wiesen und Äcker. Im laufe der Zeit haben sich genau an dieses Landschaftsbild Tiere und Pflanzen angesiedelt und angepasst . Solch eine Anpassung dauert sehr lange! Das Wichtige daran ist, das genau in diesem offenen Land , die höchste Artenvielfalt vorherrscht. Dass heißt, das wir im Offenland die meisten Tier- und Pflanzenarten verzeichnen!

Vielfalt von Tier- und Pflanzenarten

Nicht nur die Feldbewohner wie Vogelarten , Säugetiere sondern auch Insekten und Amphibien, Pflanzenarten haben daraus profitiert. Auch heute haben wir noch eine Vielfalt von Arten , die allerdings stark rückläufig sind. Gerade die Tier und Pflanzenarten des Offenlandes stehen heute so zahlreich auf den roten Listen!

Was passiert also wenn eine solche Megastadt gebaut wird?

Zum einen wird auf einmal ein riesiger Lebensraum genommen und versiegelt (in Fachkreisen nennt man das Flächenfraß). Die Zerschneidung von Landschaften zerstört die Wanderwege ganzer Tierarten! Wir haben  gehört wie toll diese weiße Stadt ökologisch aufgewertet werden soll. Einzigartig wurde uns erzählt mit zahlreichen Bäumen und Heckenstrukturen und Dachbegrünung. Inmitten einer bestehenden Stadt würde ich diese ökologische Aufwertung sogar gut finden, aber nicht an dem Ort wo die weiße Stadt gebaut werden soll. All die Tierarten, die jetzt noch dort leben, werden davon nicht profitieren, denn sie leben nun mal im Offenland, sprich auf dem Acker., Wiese oder Weide. Weder Feldhase, noch Feldlerche, Rebhuhn, Feldhamster ,Grauammer usw. können nun mal nicht auf Bäumen leben! Solche eine immense Versiegelung kann durch nichts kompensiert werden.

Bedrohte Tierarten werden verschwinden

Wollen wir wirklich verantworten das auch diese gefährdeten Tieraten noch zusätzlich verschwinden, denn NOCH leben sie genau dort wo die weiße Stadt gebaut werden soll und DAS können wir auch nachweisen! Ein weiterer Punkt ist,um den Zülpicher Wassersportsee sind viele wertvolle Strukturen entstanden ,Lebensräume im Wasser, in den Uferbereichen und ringsum mit der Bepflanzung durch einheimische Gehölze (die nicht zu sehr in das Landschaftsbild eingreifen, wo wir wieder bei den Bauminseln sind).

Zahlreiche Insektenarten bevölkern das Gehölz

Viele Insektenarten haben hier ihr Refugium gefunden wie z.B. Nachtfalterarten die u.a. vom Laub einheimischer Gehölze leben. Davon profitieren natürlich Vögel wie Mauersegler oder Schwalben um nur mal einige der Tierarten zu nennen. Was passiert nun also wenn die „weiße Stadt“ gebaut wird?

Artensterben durch Bebauung

Mit freundlicher Genehmigung des NABU Euskirchen möchten wir Ihnen zeigen, was wir zerstören, wenn wir so immens in eine Landschaft eingreifen, und wie WERTVOLL unsere Äcker sind weil dort nicht nur Lebensmittel produziert werden, sondern weil hier bei uns noch seltene Tierarten leben, wie z.B. das Rebhuhn. Das Rebhuhn ist stark gefährdet! In einigen Ländern schon ausgestorben. Europaweit sind die Bestände um 90% zurück gegangen! Wir haben sie NOCH! Diese Bilder sind genau in dem Gebiet entstanden wo die weiße Stadt gebaut werden soll. Wir haben hier bei uns noch ganze drei Gebiete in denen sich die Rebhühner austauschen können. Dies machen sie i.d. Regel zu Fuß, sie fliegen kaum. Fällt eines dieser Gebiete weg ist das höchst Problematisch! In Zeiten von Artensterben sollte jeder Bürger genau über so etwas informiert sein!

Die Fotos zeigen Rebhühner auf den Seeterrassen in Zülpich.



Lichtverschmutzung

Lichtverschmutzung haben bestimmt viele schon einmal gehört. Richtig, nachtaktive Insekten werden vom Licht angezogen ,und verenden darunter. Ganze Tierarten kommen aus ihrem Rhytmus und werden ganz verschwinden, weil sie nicht nur durch Lichtverschmutzung keine Nahrung mehr finden werden sondern auch durch Lärm keine Ruhe mehr.

Fruchtbares Land in der Börde

Ein weiterer Punkt! Wir haben hier in der Börde besonders fruchtbaren Boden und somit sind unsere Äcker sehr wertvoll. Insgesamt speichern Böden rund zehnmal so viel Kohlenstoff wie Bäume – weltweit mehr als 4000 Milliarden Tonnen.

Eine Schande, das einige Menschen heute der Meinung sind, es wäre ja nur ein Acker. Ich kann aus Gesprächen mit Landwirten nur sagen, den kleinen Landwirten geht so langsam bezahlbares Ackerland und Weidefläche aus, weil wir immer mehr einfach nur zubetonieren und meinen das das Land dann „wertvoller“ sei.

Auch bei den Landwirten findet ein Umdenkprozess statt! Ich weiß, dass viele unserer Landwirte mittlerweile Blühstreifen anlegen, und vieles freiwillig tun um unserer Natur zu helfen. Wenn wir also demnächst nicht nur Billig-Nahrung aus China oder sonst woher ran gekarrt haben wollen, müssen wir dafür sorgen das bei uns noch weiterhin Lebensmittel produziert werden können.  Das hilft nicht nur dem Landwirt, sondern auch uns, weil somit keine langen Transportwege entstehen, sondern regional produziert werden kann. Von daher setze ich als Naturschützer schon lange auf die gemeinsame Zusammenarbeit mit den Landwirten.

Stellen Sie sich bitte einmal vor, wenn unsere Vorfahren genauso mit „Land“ umgegangen wären wie es hier geplant wird! Wo ständen wir heute? Wollen wir das wirklich?

Ute Köhler

1 Gedanke zu „Ökologischer Schaden

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